
Interview mit Prof. Ulrich A. Müller in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung
12. November 2024
Nachruf auf Sabine Riese
1. März 2026
Interview mit Prof. Ulrich A. Müller in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung
12. November 2024
Nachruf auf Sabine Riese
1. März 2026Nachruf Prof. Dr. Cord Benecke
22.03.1965 – 30.12.2025

Die Kolleginnen und Kollegen der Psychodynamik Hessen trauern um ihren langjährigen berufspolitischen Mitstreiter und warmherzigen Freund, Prof. Dr. Cord Benecke, der am 30.12.2025 nach schwerer Krankheit verstarb. Sein viel zu früher Tod hinterlässt eine sehr schmerzliche, nicht zu füllende Lücke für seine Familie, aber auch für die der Psychoanalyse verbundenen Psychotherapeut*innen.
Aufgewachsen als mittleres Kind mit seinen 4 Geschwistern auf einem niedersächsischen Bauernhof behielt er zeitlebens über seine ganze, sehr erfolgreiche wissenschaftliche Karriere hinweg eine erfrischende Bodenständigkeit und Warmherzigkeit, die ihm die Herzen vieler Kolleginnen und Kollegen, seiner Studierenden und seiner berufspolitischen Mitstreiter öffnete.
Auch wir, die Kolleginnen und Kollegen der Psychodynamik Hessen, haben Cord Benecke, dessen Feuer für die Psychoanalyse ansteckend war, als begeisterten Lehrer und Forscher der Psychoanalyse in Vorträgen, seinen Büchern und seinen vielfältigen Forschungsprojekten kennen und schätzen gelernt.
Zeitgleich konnten wir ihn auch als einen langjährigen, unerschrockenen und unbeirrbaren berufspolitischen Mitstreiter mit großem Weitblick für politische Strukturen und Notwendigkeiten und mit einem klaren Blick für die zeitweise Notwendigkeit leiser Diplomatie erleben.
Seine wissenschaftliche Karriere führte ihn über verschiedene Qualifizierungsschritte von der klinischen Psychologie der Universität Saarbrücken samt zeitgleicher psychoanalytischer Ausbildung an die Klinische Psychologie der Universität Innsbruck, bis er 2010 einen Ruf an die Universität Kassel erhielt.
Entsprechend entwickelten sich seine wissenschaftlichen Interessen von der Affektforschung zur Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik (OPD) hin zur Erforschung der Wirksamkeit von Psychotherapie in der ambulanten Versorgung und in den Ausbildungsambulanzen, z.B. im Rahmen der großen Praxisstudie der DPG und der von der Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT) geförderten APS-Studie, die Verhaltenstherapie und analytische Psychotherapie bei Panikstörung plus Persönlichkeitsstörung unter randomisiert-kontrollierten Bedingungen vergleicht.
Begeistert für die Psychoanalyse galt sein Engagement - wie auch uns – u.a. berufsrechtlich als auch sozialrechtlich dem Erhalt der Verfahrensvielfalt in der Psychotherapie. Und somit auch dem weiteren Erhalt der psychodynamischen Verfahren in ihren Anwendungen als tiefenpsychologisch fundierter und analytischer Psychotherapie in der Aus- und Weiterbildung und in der Folge ebenso langfristig für die psychotherapeutische Versorgung der Patientinnen und Patienten in der gesetzlichen Krankenversicherung.
So war ihm bei der Novellierung des Psychotherapeutengesetzes sowie der damit einhergehenden Ausgestaltung einer neuen Approbationsordnung zentral, dass die Studierenden bereits im neu gestalteten universitären approbationsbegründenden Studium der Psychotherapie theoretische Grundlagen sämtlicher wissenschaftlich anerkannten Psychotherapieverfahren erlernen und universitär erste praktische Erfahrungen ihrer klinischen Anwendung erwerben konnten und sollten. Gemeinsam haben wir uns sehr darüber gefreut, dass dies ins novellierte Gesetz Eingang fand.
Entsprechend hat Cord Benecke zeitnah nach der Gesetzesverabschiedung an seinem Lehrstuhl für Klinische Psychologie I an der Universität Kassel, getreu seiner Überzeugung vom Wert der Vielfalt der psychotherapeutischen Verfahren, das Fachgebiet der Klinischen Psychologie und die Hochschulambulanz gemeinsam mit seinem verhaltenstherapeutischen Kollegen Prof. Christoph Flückiger ausgestaltet und geleitet. Vergleichend hat er dort die Wirksamkeit der Anwendung beider Psychotherapieverfahren im Rahmen der Versorgung in der Kasseler Hochschulambulanz beforscht.
Sein Mut, sein verschmitzter Humor und seine Lust, sich auch mit wissenschaftlichen Kontrahenten auseinander zu setzen und einen fachlichen Diskurs einzufordern, haben auch uns bestätigt, dies ebenfalls von unseren Kontrahenten einzufordern.
Auch in den Gremien der hessischen Psychotherapeutenkammer sind derartige Kontroversen unerlässlich. Wir haben uns daher gefreut und waren ihm sehr dankbar, dass Cord Benecke über mehrere Jahre hinweg bereit war, unsere Psychodynamische Liste PP bei der Wahl zur Delegiertenversammlung der hessischen Psychotherapeutenkammer durch seine Kandidatur mit zu unterstützen und damit auch zu prägen.
Cord Benecke hat keine Verantwortung gescheut und oft Leitungsfunktionen in für den langfristigen Erhalt und die Weiterentwicklung der Psychotherapie wichtigen Gremien übernommen, so etwa 2017 als Sprecher des Arbeitskreises OPD und ab 2020 in der Leitung der Lindauer Psychotherapiewochen. Als faszinierender Forscher der Psychoanalyse hat er viele Kolleginnen und Kollegen mit seinen innovativen Ideen beeindruckt, die auch zu wesentlichen Projekten der Qualitätssicherung führten in der Überzeugung, Qualitätssicherung gehöre ausschließlich in die fachliche Kompetenz der Psychotherapeuten!
So entwickelte er gemeinsam mit 2 Kollegen das QVA-Projekt (Qualitätsmerkmale und Versorgungsrelevanz psychotherapeutischer Ausbildungsambulanzen) samt der Neugründung des QSP-Instituts (Institut für Qualitätssicherung in der Psychotherapie), in dem die aggregierten Daten korrekt gesammelt und für nachfolgende Forschungsprojekte verwertet werden können.
Wir haben einen herausragenden Forscher der Psychoanalyse, einen warmherzigen Kollegen und Ratgeber verloren, er wird sehr fehlen. Wir sind ihm unendlich dankbar, sein Engagement wird uns Ansporn sein. Unser Mitgefühl gilt seinen Familien in Innsbruck und Scharmbeck.
